Chronik in Kurzform

 

von Eggert Schiffler


In der nun über 80-jährigen Geschichte des Hilgener Schützenvereins war der Ursprung des Vereins zweimal ein „Hahneköppverein“. Zuerst bei der Gründung 1923 und dann 1961, als man nach 22 Jahren den Schützenverein wieder ins Leben rief.

Es waren Mitglieder des Hilgener Hahneköppvereins, die 1923 den Verein in einen Schießverein umwandelten. Gefeiert wurde in Verbindung mit einem Turnfest der Turngemeinde Hilgen am 28., 29. und 30. Juli . Der Bergische Volksbote vom 24.Juli 1923 kündigte das Fest wie folgt an:

„Der Montag wird vom Schießverein ausgefüllt. Vormittags 11 Uhr wartet der Verein mit einem vorzüglichen Morgenkonzert auf. Während desselben findet das Königsschießen und die Krönung des neuen Königs statt. Anschließend an den Nachmittagsfestzug sind in den Gartenanlagen der Geschwister Heider große Kinder- und Volksbelustigungen vorgesehen. Während dieser Zeit kann im „Gasthof zur Post“ das Tanzbein geschwungen werden. Nach dem Abendfestzug sind in beiden Sälen große Festbälle. In dem mit frischem Grün geschmückten Orte sind Karussells, Schaukel, Schießbude, Krambuden usw. aufgestellt.“

Erster Schützenkönig wurde Herrmann Kuhler, Sattlermeister in Hilgen. Ewald Kaufmann (1924/25) und Walter Zimmermann (1925/26) folgten ihm.

Ein Höhepunkt im Leben des jungen Vereins war das Schützenfest 1925, verbunden mit der Fahnenweihe des Vereins.
Jahr für Jahr wurde jetzt zusammen mit der Turngemeinde von Samstag bis Montag in Hilgen ein Schützen- und Volksfest, verbunden mit großem Kirmestreiben beiderseits der Hauptstraße, gefeiert. Jedes Jahr war montags zum Schluss des Frühkonzertes immer wieder die Frage: „Wer wird diesmal König?“

Die Zeiten änderten sich leider. Inflation und Nationalsozialismus nahmen Einfluss auf die Vereine. Immer mehr wurde gerade der Montag-Morgen dazu missbraucht, Propaganda für ein Regime zu betreiben, dass unsagbares Leid nicht nur über Deutschland brachte.

1939 wurde vor dem 2. Weltkrieg das letzte Schützenfest gefeiert.
Karl Starigk mit seiner Frau Elfriede hieß das Königspaar. Sie bewahrten die Königskette und das Diadem der Königin über all die Jahre bis zur Neugründung 1962.

Zwischenspiel :
Bereits 1949 waren es Geschäftsleute, die die Hilgener Kirmes wieder verbunden mit einem Hahneköppen ins Leben riefen. Aber bereits 1953 verliefen die Bemühungen, das Hahneköppen weiter durchzuführen, im Sande.
Dank der Bereitwilligkeit des Gastwirtes Wilhelm Steffens entstand 1957 in Hilgen-Heide ein neuer Platz auf dem dann auch wieder eine Kirmes stattfinden konnte.
Kurz vor der Kirmes 1959 wurde dann in froher Runde von Heinrich Korthauer, Martin Gerlach und einigen anderen in der Gaststätte Steffens die Möglichkeit zur Gründung eines Hahneköppvereins lebhaft diskutiert. „Wir bruchen nit vill, wenn mer en paar ahl zäh Kitzhähne hant, en Ärpelsmängchen ohne Borm und nen ahlen Säbel, dann sin mer am gang.“ Schlag 24 Uhr waren Heinrichs Schluffen versteigert und hingen, von vier langen Nägeln durchbohrt, am mittleren Deckenbalken der Gaststube. Der Verein war gegründet. Die ersten Mitgliedschaften wurden auf einem Bierdeckel durch Unterschrift dokumentiert.

1961 wurde ein Schreiben, unterzeichnet von Wilhelm Steffens als 1.Vorsitzender des Hahneköppvereins, Max Madel und Heinz Thiel, verfasst und an alle noch lebenden Schützen des Hilgener Schützenvereins geschickt. Man bat darin, den Namen des Vereins weiterführen zu dürfen, um damit auch ein Wiederaufleben des Hilgener Schützenvereins von 1923 erreichen zu können.
In der Versammlung am 4. November 1961, mit 26 anwesenden Mitgliedern und der Zustimmung der alten Hilgener Schützen, wurde die Neugründung beschlossen.
Ein neuer Vorstand wurde gewählt, der sofort den Bau eines unterirdischen Schießstandes beschloss und in Angriff nahm. Viel Zeit, Arbeit und ehrenamtlicher Einsatz waren notwendig bis am 17. Juli 1962 der erste Schuss auf der unterirdischen 50 mtr. Bahn (4 Schiessbahnen) abgegeben werden konnte.
Eine große Überraschung bereiteten wenige Tage vor dem ersten Schützenfest 1962 die Geschwister Alma und Paula Heider dem Verein. Sie hatten 23 Jahre lang die Fahne von 1925 vor fremden Zugriff bewahrt und gaben sie jetzt dem Verein zurück.
Und dann war es endlich soweit. Nach 23-jähriger Pause gab es wieder ein Schützenfest verbunden mit einer Kirmes am 4., 5. und 6. August 1962 in Hilgen-Heide.
Nach der Verabschiedung des letzten Königspaares von 1939 Elfriede und Karl Starigk und des letzten Hahnenköpp-Königspaares Friedchen und Heinrich Korthauer konnte Max Madel als 1. Vorsitzende des Schützenvereins das neue Königspaar Lore und Martin Gerlach proklamieren.

Wie schnell ein Jahr vergeht, merkte man, als es hieß, wir müssen das nächste Schützenfest vorbereiten.
Es hatte sich viel getan in diesem Jahr. Eine Jungschützenabteilung wurde gegründet und erhielt sofort regen Zuspruch. Traditions- und Wettkampf-Schießen wurden durchgeführt und Schützenröcke und –hüte angeschafft.
Und ein Festzelt musste natürlich auch her. Es wurde auf dem Platz hinter der Gaststätte aufgebaut und mit einer Verbindung zum Kuhstall, der sich im vergangenen Jahr bereits bestens als Bar bewährt hatte, versehen. Die Kirmes wurde daneben bis zur Straße hin aufgebaut, so dass sich ein geschlossenes Ganzes ergab.
Als neues Königspaar für das Schützenjahr 1963/64 wurden Grete und Otto Molkentien proklamiert und 1. Prinz des Vereins wurde Walter Steffens, dem die neue von Lore und Martin Gerlach gestiftete Prinzenkette, als äußeres Zeichen seiner Prinzenwürde umgehängt wurde.

Es war eigentlich selbstverständlich, dass sich die Frauen der Schützen für das Hobby ihrer Männer interessieren. Schnell fanden sie Gefallen am Schießsport und treffen sich nun schon seit 1968 im Schießhaus zum Schießen. Zuerst ohne Vereinsmitgliedschaft, aber mittlerweile sind die Damen voll im Verein integriert und machen in Bezug auf Schießleistung manchem Schützen etwas vor.

1968 legte Max Madel sein Amt als 1. Vorsitzender des Vereins nieder, Herbert Kückelhaus wurde sein Nachfolger.
Anlässlich des 260-jährigen Bestehens des Schützenvereins Radevormwald fand im Juni 1968 in Radevormwald das Bundesschützenfest statt. Neuer König des Bergischen Schützenbundes wurde unser Schützenbruder Willi Steffens.

1969 stiftete der scheidende König Wolfgang Müller eine große schmiedeeiserne Krone, die seitdem bei jedem Schützenfest über dem Königshof im Festzelt hängt. Auf ihr wurden und werden alle Schützenkönige des Hilgener Schützenverein verewigt.

1970 wurden wir damit beauftragt, das Bundesschützenfest in Hilgen durchzuführen. Es war eine große Ehre und sollte für unseren Bundeskönig Willi Steffens der Höhepunkt in seinem Schützenleben sein. Ein Vierteljahr vor dem Fest verstarb Willi Steffens am 28. April 1970 nach kurzer Krankheit. Die von ihm und seiner Frau Liesel gestiftete Fahne für die Jungschützen wird immer Erinnerung an ihn sein.

1973 50 Jahre Hilgener Schützenverein
Wieder vier Tage, beginnend mit dem Beat-Abend am Freitag, den 3. August und endend am Montag, den 6. August mit dem Krönungsball für das neue Königspaar, sollte sich in Hilgen alles um die Schützen drehen. Die Pramtaler Buam aus Andorf in Österreich hatten nicht nur optisch durch ihre Trachten etwas Besonderes zu bieten, sondern auch musikalisch. Sie hatten den Hilgener Schützenmarsch, der vom Komponisten Ernst Kraus in seiner Urschrift dem Verein zum Jubiläum überreicht wurde, einstudiert. Langanhaltender Applaus für den Komponisten und die Musiker war der Dank für dieses Geschenk.

1975 auf dem Winterfest überreichten die ehemaligen Königspaare Agnes und Herbert Kückelhaus sowie Liesel und Otto Neuberger dem Verein eine neue Königskette, damit die alte Kette geschont und nur noch für Ausstellungszwecke bereit gehalten wird.

1980 wurde mit Günter Müller zum zweiten Mal ein Hilgener Schütze Bundeskönig des Bergischen Schützenbundes.

1982 war es nach langen Planungen und vielem für und wider so weit, unseren 20 Jahre alten Schießstand aus sportlichen Gesichtspunkten umzubauen. Vierzig Stunden hatte jeder Schütze zu leisten, aber bei vielen wurde diese Stundenzahl mehrfach überschritten. Alle waren stolz, dass das Schützenhaus und unser neuer Schießstand zum Schützenfest 1983 und damit zum 60-jährigen Bestehen des Vereins eingeweiht werden konnte.

1991 legte Herbert Kückelhaus nach 23 Jahre sein Amt als 1. Vorsitzender des Vereins nieder. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm von der Jahreshauptversammlung die Auszeichnung „Ehren-Vorsitzender“ verliehen.

Manfred Langenhahn wurde sein Nachfolger, bis er 1995 den Vorsitz an Klaus Küpper übergab.

1998 75 Jahre Hilgener Schützenverein
Mit einer Super-Disco am Freitag für die Jugend, dem Festkommers am Samstag-Nachmittag, dem Platzkonzert am Bahnhof und einem Bunten Abend im Festzelt, am Sonntag dann das Frühkonzert mit der Krönung des neuem Prinzen, einem Kaffetrinken am Nachmittag und einem Oldie-Tanz-Abend und am Montag die Krönung des neuen Königs während des Frühkonzertes, dem Hauptfestzug mit großem Zapfenstreich und dem Krönungsball zum Abschluss waren die Veranstaltungen zu unserem Jubiläum.

2001 wurde das erste mal der Festzug bereits am Sonntag Nachmittag durchgeführt, weil es immer schwieriger wurde Musik und auswärtige Schützen an einem Werktag zu uns zu bitten.

2001 Der Jungschütze Tim Böhler wurde Sportler des Jahres im Haus der Kunst in Burscheid geehrt.

2004 trat der 1. Vorsitzende Klaus Küpper zurück. Dr. Hartmut Schepanski wurde auf der Mitgliederversammlung als sein Nachfolger gewählt.

2005 mussten wir dem Besucherschwund und der Schwierigkeit Musikkapellen zu angagieren Tribut zollen und den Montag als Veranstaltungstag ganz aus unserem Programm streichen.

2009 legte der 1.Vorsitzende Dr. Hartmut Schepanski sein Amt nieder. Frank Müller wurde auf der Mitgliederversammlung als sein Nachfolger gewählt.

2009 Das Lindenblatt wurde vor dem Schützenhaus für die "Heide" verlegt.

2009 Hannelore Todt wurde erste "Königin" des Vereins.

2013 Austritt aus dem Bergischen Schützenbund

2013 Der Schütze Hans Werner wurde als Sportler des Jahres in Burscheid geehrt.

2014 Hilgener Bürger gründen den 1. Fanclub des Hilgener Schützenvereins zu Ehren des Königspaares Frank und Petra Müller.

2016 Marvin Walter wurde zum jüngsten König auf dem Schützenfest gekrönt